Nulldrei Jahre rollen gegen Nazis!

Es war kalt draußen. Und naß. Und ziemlich früh. Falls ihr euch wundert, woher diese nörglerische Stimmung kommt, die gar nicht zum aktuellen Frühlingserwachen passt, das kann ich schnell aufklären. Ich meine nämlich nicht irgendeinen Tag zum Beispiel aus der letzten Woche, sondern ich bin beim 16. Dezember 2017, also fast ein halbes Jahr zurück, und ich versuche mich zu erinnern. Das Wetter blieb schonmal unangenehm hängen. Den geschlossenen Kiosk am Bahnhof Griebnitzsee, am Treffpunkt für die aktive Crew der Roller Derby Enthusiast*innen kann ich ebenfalls nicht vergessen. Denn, obwohl es Innen hell war und rumpelte, ging der Rollladen einfach nicht hoch. Nix war‘s also mit wärmenden Kaffee oder Tee. Schade!

Ihr habt es bestimmt schon gemerkt, es geht im Folgenden nicht um Fußball oder andere Ballsportarten, sondern um Roller Derby, den Vollkontaktsport auf Rollschuhen beziehungsweise ein Spiel der grandiosen Prussian Fat Cats. Die hatten nämlich an besagtem 16. Dezember letzten Jahres zum Scrimmage, also zur Freundschaftsschubserei mit der Roller Grrl Gang aus Frankfurt am Main eingeladen, die durch Freund*innen der Berlin Rollergirls und den Riot Rocketz aus Leipzig verstärkt wurden.

Also, kommen wir zurück zu diesem nasskalten Dezembertag. Vom Treffpunkt ging es für die kleine Supporter*nnen Crew in Richtung Oberlinhalle. Dort angekommen war das Meiste schon vorbereitet. Für uns war nur noch die Orga der Getränke-Versorgung und der Mucke übrig. Letzteres konnte nach kurzem Zwischenstopp zu Hause für die nötige Verkabelung zwischen der mobilen Anlage und dem Laptop in Gang gebracht werden. Der Getränke-Stand war auch schnell bestückt und so warteten wir auf das Publikum.

Es kamen circa 150 Zuschauer*innen, die ein bis zum Ende ziemlich spannendes Spiel sahen. Mit so vielen, vor allem auch trinkfesten Leuten hatten wir allerdings nicht gerechnet. Schon kurz vor der Halbzeitpause ging uns leider das Bier aus. Also, schnell die Nordkurven-Kontakte aktiviert, Helfer*innen rekrutiert und zügig Nachschub besorgt. Lief ganz gut. Und deshalb vielen Dank an dieser Stelle für die spontane Hilfe.

Nach dem Auswärtsspiel in Nürnberg, wo vom Bonzen-Support nicht nur jede Menge Hopfenspezialitäten vernichtet wurden, sondern auch ein wenig pyrotechnische Erzeugnisse zum Einsatz kamen, war diesmal Ähnliches an Unterstützung für‘s Team leider nicht zu erwarten. Das liegt auch daran, dass die noch kleine Supporter*innen Crew vor allem an den Heimspieltagen Aufgaben zur Gewährleistung eines möglichst stressfreien Bout übernimmt. Eine Trommel hatten wir diesmal aber trotzdem am Start. Allerdings verweigerte sie sich viel zu schnell der Aufgabe, Lärm zu machen, vielleicht aufgrund des etwas zu enthusiastischen Rhythmus-Schlagens. Naja, eine Weile kam‘s ganz gut…

Kleinere Aktionen von uns gab es ebenfalls. So wurde den Bonzen zum Einlaufen (nachträglich) mit der Tapete 03 JAHRE ROLLEN GEGEN NAZIS zum dritten Geburtstag gratuliert. Nach Abpfiff gab’s mit DANKE FAT CATS und ein paar Wunderkerzen erneut einen Gruß an die Gastgeber*innen.

Meine Aufgabe für den Tag war die Musik. Die Playlist, schon Tage zuvor sorgfältig zusammengestellt, war gut gefüllt und bot mit internationalem Punk, jiddischem Metal, Rock, Ska, fettem female Grime und selbstverständlich subtil eingestreuter Revolutionsmukke einiges an. Hat dem Publikum augenscheinlich gefallen. Vor allem auf Grime im Allgemeinen und roXXXan wurde ich angesprochen…

Nach dem Bout stieg im KuZe in der Potsdamer Innenstadt die Afterbout Party. Nach ein paar Eierlikörchen musste ich mich leider verabschieden. Gerüchteweise soll es aber noch ziemlich trashig und lang gegangen sein…

Mir bleibt an dieser Stelle nur, euch auf das nächste Spiel der Prussian Fat Cats hinzuweisen. Denn am morgigen 4. Mai 2018 gibt‘s wieder die Chance Roller Derby in Babelsberg zu sehen. Und zwar um 20 Uhr in der bereits genannten Location Oberlinhaus-Sporthalle zum Auftakt des antirassistischen Stadionfestes „Der Ball ist bunt“. Zuvor startet um 18 Uhr eine Fahrrad-Demo unter dem Motto „Nazitreffs verhindern, überall!“. In diesem Sinne: Rollerta Antifascista!

Dieser Text erschien im Ultra Unfug Nr. 260. Das schicke Bild ist von Benjamin Reissing.

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